Peking – die letzte Woche

So wie meine Zeit in China damals begann, so sollte sie auch enden: mit einem schwarzen Stift und einer Menge Papierkram. Fünf verschiedene Torten im Garten der Botschaft gehörten zwar ebenso zur letzten Woche wie ein fabulöser Drehtag für das Wort zum Sonntag, aber ich erzähle wohl einfach mal der Reihe nach…

unikramDie Klausurphase war quasi schon wieder abgeschlossen und ich hatte auch angefangen, den bereits verkauften Hausrat in Kisten zu verpacken.

Die Arbeitszettel an der Schreibtischwand wurden von Tag zu Tag weniger, weil ich die mir selbst auferlegten Fristen sowieso schon lange überschritten hatte kontinuierlich auf ein Ende der Studienarbeit hingearbeitet hatte.

Und nachdem der Termin noch einige Male verschoben wurde, bis auch wirklich alle Teilnehmer zustimmten, nahte der Tag der Abschlusspräsentation. Die Zulassungspapiere der Studienarbeit wurden ein paar Tage vorher noch kurzfristig verteilt und ausgefüllt, die völlig ahnungslosen zukünftigen Zweit- und Drittkorrekturleser der Arbeit in ihren Büros überrascht und der eigentliche Betreuer selbst noch einmal an das eigentliche Thema erinnert.

Die Präsentation meiner Arbeit selbst ging dann trotz ein paar Zwischenfällen bei den vorherigen Teilnehmern recht problemlos vorrüber – die Prüfer hatten ihr Pulver wohl schon komplett verschossen und wollten mich als letzten Vortragenden genauso schnell erlösen wie sich selbst. Und pünktlich zum Mittag war der universitäre Teil in China damit erledigt und die ersten Hürden für einen schönen Abschlussurlaub ausgeräumt.

botschaftskuchenDie erste Belohnung sollte dann gleich am nächsten Tag mit einer letzten Einladung in die Botschaft folgen.

Dank Stefan kam auch ich in den Genuss von diversen Torten, sonstigen Leckereien und interessanten Gesprächen  und schnupperte im kleinen Kreis im Garten der Residenz quasi soetwas wie deutsche Heimatluft.

Diese dicke Ladung Nervennahrung war dann garnicht so verkehrt für die nächsten Tage. Bei konstanten Temperaturen über 35°C haben nicht nur alle versucht, ihren Hausrat in einem eigentlich viel zu kleinen Zimmer für die nachfolgende Gruppe unterzubringen sondern die meisten auch noch den Formular-Marathon zur Exmatrikulation auf sich genommen.

Dazu bekam man ein Blatt Papier, auf dem man ähnlich dem Bonusprogramm einer jeden lokalen Autowaschstraße Stempel verschiedener Büros sammeln durfte. Offiziell angekündigt wurde diese wohl notwendige Prozedur zwar nicht, aber dem Hörensagen nach bekommt man sonst als Dipl.-Ing. nur mit erneutem und wahrscheinlich doppelt so großem Aufwand seinen Master of Science.

Die Reihenfolge zwischen Fakultät, Bibliothek und Rechenzentrum war chinesisch-ineffizient beliebig festgelegt, so dass man im 3. Schritt zwar eigentlich schon seinen Studentenausweis hätte abgeben sollen, diesen aber für Schritt 4 und 5 durchaus noch gebraucht hätte. Den Ausweis als Andenken behalten war eigentlich auch nicht drin, für den vermeintlich Verlorenen habe ich die 3 Euro aber gerne investiert. Auch durch ein “Ich will ihn Dir ja nicht wegnehmen, ich muss dort nur was eintragen” ließ ich mich nicht locken – wurden andere Ausweise doch nach genau dieser Aufforderung gleich eingezogen. Irgendwann hatte aber auch ich die fünf Stempel beisammen, die Ausweise nach wie vor in der Tasche und packte bereits Donnerstag meine Sachen für den Samstag-Flug nach Tibet.

Warum schon so früh? Damit ich genug Zeit für den Medley hatte!


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