Einmal München und zurück oder Die Qual der Wohnungssuche

Dass ich jetzt in München bin, haben die meisten von Euch schon festgestellt. Für alle, die noch nicht aufgeklärt sind: Ich mache vorerst bis Ende Januar ein Praktikum bei einem Großunternehmen. Da ich jedoch nicht vorhabe, über das Arbeitsleben zu bloggen (und wenn doch, dann nur am Rande) spielt alles weitere auch keine Rolle. “Was redest Du da? Weiß doch eh jeder, dass Du bei…” Genau! Aber es gibt aus München einfach spannendere Dinge zu berichten als das einfache Arbeitsleben und damit fange ich jetzt auch gleich an:

wohnungstür (zettberlin)Ich muss zugeben, dass ich mir die Wohnungssuche etwas einfacher vorstellt hatte. Vielleicht sogar zu einfach.

Aber da mir das firmeneigene Wohnheim als Notfallplan auch nicht von Anfang an zur Verfügung gestanden hätte und auch nicht meine erste Wahl gewesen wäre,  war ich auf den regulären Wohnungsmarkt quasi angewiesen.

Zwar habe ich in Aachen zu Beginn meiner Studienzeit schon einmal Anzeigen wälzen müssen und bin öfters hin- und hergefahren ohne etwas Vernünftiges zu finden, aber das hatte ich wohl in der Zwischenzeit verdrängt. Oder einfach vergessen, weil mir nicht so absurde Dinge wie Besuchs-Verbote oder Funkwellen-Allergien in guter Erinnerung geblieben sind. Aber langsam und von vorn…

Da ich mit dem Zeitraum und dem Wunsch nach einem möblierten WG-Zimmer schon recht eingeschränkt war, gestaltete sich die Suche recht schwierig und die Ausbeute war mit vier vereinbarten Terminen nicht besonders groß, als ich mich auf den Weg machte. Allerdings hatte ich Dank Dr. Sno’s hervorragender Gastfreundlichkeit – an dieser Stelle nochmal ein dickes Dankeschön – die besten Möglichkeiten, den Wohnungsmarkt im Auge zu behalten und fand somit sogar mein späteres Traumzimmer. Wobei ich zugeben muss, dass zwei der anderen Zimmer und die ein oder andere Anzeige viel interessanter waren.

Da gab es zum Beispiel A., eine Frau im Alter von ca. 50 Jahren. Dass ich bei der Anzeige mit der Einleitung „Wir suchen für unsere WG…“ ihrem Wunschdenken verfallen sollte, wusste ich bis dahin noch nicht. Da die Haustür klemmte, zog sie sich für die kurzen 5m von ihrer Wohnung ein paar Schuhe an und begrüßte mich mit einem zu warmen Händedruck und zeigte mir zuerst das Zimmer.

„Und? Gefällt Dir das Zimmer?“
„Nett eingerichtet ist es ja. Wie sieht es denn mit Besuch aus?“

Ein warum-auch-immer-schelmischer Blick und die folgende Frage klären dann eigentlich schon alles.
„Denkst Du bei Besuch an eine Freundin?“
„Ja, unter anderem. Meine Freundin schreibt nämlich nur noch ihre Abschlussarbeit und ist darum flexibler als ich, so dass sie mich öfters besuchen würde als andersherum.“

„Oh, damit ist es eher schlecht. Wenn in einer WG immer jemand zusätzlich herumwühlt, dann stört das ja doch schon die Harmonie.“
„Äh…“
„Wie oft wäre das denn?“
„Naja, einmal im Monat würde sie bestimmt kommen und…“
„Nein, DAS ist zuviel!“

Und was wäre dann passend?
„Äh…“
„Aber ich würde mich freuen, wenn Du das Zimmer nehmen würdest. Komm, ich zeige Dir noch schnell die Küche und das Bad.“

Es folgten noch mehr Ähs, da sie zwar eine Küchenmitbenutzung ankündigte, mir aber nahe legte, mein eigenes Geschirr inkl. Töpfen mitzubringen. Auf meine Frage, ob sie allein hier wohne und wer denn sonst mit „Wir suchen für unsere WG…“ gemeint war, widersprach sie entrüstet:
„Nein, ich wohne hier nicht allein. Ich wohne hier doch mit Hannes. Und wenn Du einziehst, dann wohne ich auch mit Dir.“

Doch das würde nie passieren. Ich verabschiedete mich, warf noch kurz einen sehnsüchtigen Blick auf den benachbarten Nymphenburger Schlosspark und schrieb ihr am nächsten Tag, dass Frau K. in einer anderen – zu dem Zeitpunkt noch fiktiven – Wohnung kein ungebetener Gast wäre und ich daher nicht bei ihr einziehen würde.

klingel (joexx)Eigentlich komplett anders, aber trotzdem interessant war D. mit seinen drei Mitbewohnern. Er wollte vier Tage später nach Madrid ziehen und war verzweifelt auf der Suche nach einem Untermieter.

Als ich sein Zimmer sah, wusste ich auch warum. In einer Arztpraxis wäre sein Zimmer das Wartezimmer gewesen – mit Wänden aus Glas in den Flur.

Ich habe Big Brother in der ersten Staffel zwar auch ab und zu eingeschaltet, teilgenommen hätte ich aber nie. Da halfen auch seine von innen angebrachten Dämmmatten und von außen aufgeklebten Saufbilder nichts. Wobei die Lage schon ziemlich gut war.

Eine 3-er WG in der Nähe war von der Lage her noch besser und die einzige Wohnung, in der ich den gesamten Praktikumszeitraum hätte wohnen können ohne – wie bei den anderen Möglichkeiten notwendig – im Januar doch noch ins Wohnheim zu ziehen. Ich bin nicht spießig, aber ein „Wir spülen die Teller eigentlich immer erst dann, wenn kein sauberes Geschirr mehr da ist“ war nicht das, was ich suchte. Zumal die zwei Tiermedizinerinnen nicht das versprachen, was… aber lassen wir das!

Eine andere Anzeige sah nach großartigem Spaß vermutlich ganz neuer Wohnerfahrung aus, obwohl ich nie im Leben eingezogen wäre.

„DECT-Telefone sind nicht erlaubt, da ich allergisch auf Elektrosmog reagiere“ und „Ihr müsst Euch nicht so dogmatisch vegetarisch ernähren wie ich, aber Fleisch darf maximal einmal im Monat gebraten oder gekocht werden“ zusammen mit „am besten fahrt Ihr am Wochenende nach Hause“ wurden auch nicht durch ein „Ich freue mich ehrlich, Euch kennenzulernen“ wieder wettgemacht. Ich hatte so wenig Besichtigungstermine in den drei Tagen, dass ich ernsthaft darüber nachdachte, der Damen einen Besuch abzustatten. Vielleicht hätten wir gemeinsam Hüte aus Alufolie gegen die ganze Strahlung basteln können. Vielleicht wäre das aber auch ganz unspektakulär geworden und ich verbrachte die Zeit daher lieber am Starnberger See oder an der Isar.

Die Wohnung, für die ich mich dann letztendlich entschied, war im Vergleich dazu zwar sehr unspektakulär, hatte dafür aber auch keine schrulligen Mitbewohner, Quasi-Wartezimmer oder lebende Küchen. Dafür hielt der Mietvertrag gerade mal eine knappe Woche. Doch dazu später mehr…


One Response to “Einmal München und zurück oder Die Qual der Wohnungssuche”  

  1. 1 Wohnungen kaufen Duesseldorf

    Manche Menschen sind wirklich komisch, wenn es darum geht, andere bei sich wohnen zu lassen. Im Prinzip wollen sie einfach nur jemanden, der den anderen Teil der Miete bezahlt und das wars. Leben ist da einfach nicht inklusive.

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