Lhasa – aber bitte im Uhrzeigersinn!

Verglichen mit den Unterkünften, die man von sonstigen Reisen in China gewöhnt war, haben wir in Tibet sehr luxuriös genächtigt. Mich hätte interessiert, wie viel wir gespart hätten, wenn wir wie üblich in Hostels geschlafen hätten. Ihr könnt Euch denken, dass mich das den ganzen Urlaub über beschäftigt hat ich das sehr gut fand. Im gleichen Zug hätte ich mich nicht darum gerissen, die ganzen Genehmigungen auf eigene Faust zu organisieren, so dass die gebuchte Tour sicher nicht die schlechteste Wahl war.

Das Programm für die eine Woche war sehr eng gesteckt und rückblickend war es eine gute Idee, keinen weiteren Aktivitäten für den Tag unserer Ankunft zugestimmt zu haben. Also zogen wir bei strahlend blauem Himmel auf eigene Faust los und machten den ersten großen Fehler bei unserem Stadtspaziergang: wir gingen wahllos durch die Straßen, vor und zurück und dabei hauptsächlich gegen den Uhrzeigersinn.

gebetsmühlenSo gesehen konnten wir froh sein, dass die alten Damen uns ihre Gebets-mühlen nicht gleich um die Ohren hauten, denn obwohl sie meist schon sehr welk alt aussahen, trugen sie oft die unglaublichsten Lasten auf ihren Schultern.

Aber wir wurden schnell aufgeklärt, dass in Tibet alles (wirklich alles!) im Uhrzeigersinn zu geschehen hat.

Also mischten wir uns unter die vielen Leute, die unermüdlich ihre Runden durch die Stadt drehten, immer im Uhrzeigersinn um den Tempel der Stadt herumzogen und dabei ihre Gebetsmühlen in stetiger Bewegung hielten. Dabei schien es keine Rolle zu spielen, ob sie still und leise vor sich hinbeteten oder sich munter und laut schnatternd mit ihren Nachbarn unterhielten.

Wir verbrachten den Tag eher ruhig in Cafés und Restaurants, fotografierten Stadt und Leute und statteten dem Potala-Palast als eigentlichem Wahrzeichen Lhasas noch einen nächtlichen Besuch ab, da ein Besuch bei Tag für den nächsten Morgen angesetzt war. Der sollte genau um 14 Uhr stattfinden und unser Tourguide Kalsang informierte uns, dass wir bereits eine Viertelstunde vorher erscheinen sollten, um genug Zeit für die vielen Treppenstufen zu haben – ein Spaß bei der dünnen Luft.

Am nächsten Morgen überraschte uns Kalsang mit dem versprochenen größeren Bus: 27 Sitze für 10 Personen, das sollte ein sehr komfortabler Roadtrip werden. In die Stadt ging es allerdings zuerst zu Fuß und wir bekamen eine erste Einführung in die buddhistische Religion mitsamt ihren vielen unterschiedlichen goldenen Figuren. Weitere Erklärungen sollten bei jedem Tempelbesuch folgen und uns nach einiger Zeit dann doch irgendwann langweilen das Wissen weiter vertiefen.

potalaDer Aufstieg zum Potala-Palast war dann doch nicht so schlimm wie erwartet, obwohl uns Luft und Sonne schon zu schaffen machten.

Aber was soll ich sagen? Es lohnte sich. Mit einem Ohr lauschte ich den Worten Kalsangs und versuchte die Bedeutung der einzelnen Buddhas zu behalten. Dazwischen genoss ich in jedem Innenhof und auf jeder Terasse den Ausblick auf Lhasa und den blauen Himmel.

Nach zwei Tempeln an einem Tag – Ihr erinnert Euch vielleicht an meine Tempelmüdigkeit bei meinem Südostasientrip?! – war ich allerdings froh, mich bei einem Bier und gutem Essen auch mal wieder über andere Themen unterhalten zu können und freute mich insgeheim schon auf das gemütliche Bett und den geräumigen Bus für unseren ersten Roadtrip am nächsten Morgen.


2 Responses to “Lhasa – aber bitte im Uhrzeigersinn!”  

  1. 1 Chris

    .. aber sicher kein tibetisches Essen, oder? Weil das fand ich net soo den Brenner! :)

  2. 2 Henning

    Naja, es ging – sag ich mal so. Wobei ich den… aber das wird hier noch eine eigenständige Geschichte ^^

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