Mein neues Zuhause oder Der Name war Programm

Ich bin Euch wohl noch eine Erklärung schuldig, was es mit der ganzen Wohnungssuche auf sich hatte – Ihr erinnert Euch ja sicher noch?! “Das schon, aber es interessiert uns eigentlich nicht mehr, Henning” KÖNNTET Ihr jetzt sagen, aber weiterlesen lohnt sich hier ja hoffentlich auch immer.

Als ich mir die Wohnung in Schwabing-West anschaute, da waren mir der Hauptmieter und das Zimmer gleich sympatisch, obwohl sich mein zukünftiger Mitbewohner im Urlaub befand und ich somit ‘blind’ in die Wohnung einziehen sollte.

“Vorhin war schon einmal ein Interessent da, bei dem ich mir nicht sicher war. Aber Du und mein Mitbewohner, Ihr werdet Euch sicher super verstehen.” Doch er irrte sich.

“Das Zimmer von meinem Mitbewohner sieht gerade etwas unordentlich aus, aber sonst ist hier immer alles picobello und das wird auch während Deiner Zeit hier so sein.” Doch er irrte sich.

“Ich gehe bis Ende Dezember nach Australien zum studieren und komme vorher mit Sicherheit auch nicht zurück.” Doch – und Ihr ahnt es sicher schon – er irrte sich.

KurzurlaubKaum war ich aus München wieder zurück und hielt mit etwas Verzögerung den unterschriebenen Mietver- trag in der Hand, bekam ich eine E-Mail, die ich so in der Form nicht erwartet hatte:

“Es tut mir leid, aber es ist hier leider nicht so wie ich mir das vorgestellt hatte und jetzt sitze ich schon am Flughafen und bin morgen wieder in München. Du kannst natürlich erstmal bei mir einziehen und dann schauen wir weiter. Wenn Du bis dahin allerdings eine andere Wohnung findest, musst Du bei mir natürlich nicht mehr einziehen und ich überweise die Miete zurück.”

In München versuchte er dann seine Situation zu erkären. Die Universität in Surfers Parardise sei garnicht so gewesen, wie er sich Australien vorgestellt hatte. Und darum habe er das Angebot der Universitätsverwaltung, die Studiengebühren in den ersten drei Tagen zurückzubekommen, nach zwei schlaflosen Nächten wahrgenommen. Aber nächstes Jahr würde er es in Sydney noch einmal versuchen. Diese neuen Pläne hatten ihn jedoch in keinster Weise dazu veranlasst, sich wenigstens Sydney mal vor Ort anzuschauen, um die Stadt mit seinen Vorstellungen von Australien abzugleichen. Und überhaupt, Australien sei ja auch ganz schön weit weg.

Spätestens ab dann hatte ich für ihn nicht einmal mehr ein müdels Lächeln übrig. Ich nickte gedankenverloren bei seinen weiteren Erklärungsversuchen und fragte mich, ob ich seinem Nachnamen mehr Bedeutung beimessen sollte – der junge Mann hieß Angstmann. Und wohnte ab jetzt im Esszimmer, so dass wir aus der 2er-WG eine 3er-WG formten. Alles weitere werde ich Euch an dieser Stelle ersparen, aber obwohl er mir angeboten hatte, wenigstens bis Ende November in seinem Zimmer zu bleiben, suchte ich mir schleunigst eine neue Bleibe in einem anderen schönen Stadtteil Münchens.

Jetzt wohne ich bei Wolfgang, der sich trotz seines bayrischen Akzents und seinen passend zum Anzug für die mündliche Examensprüfung gekauften Wanderschuhen gern als Mann von Welt bezeichnet. Ich weiß zwar nicht, ob er schon einmal in Australien war – sympatisch ist er mir trotzdem.


5 Responses to “Mein neues Zuhause oder Der Name war Programm”  

  1. 1 Mr. D

    Ja das is ziemlich scheisse hier in München mit den Wohnungen , besonders wenn jemand nich zu seinem Wort steht. Aber mit der Maxvorstadt hast du ne gute Wahl getroffen! Willkommen in der Nachbarschaft!

  2. 2 Maike

    Henning, schön, dass du wieder schreibst!!!

    Wir hatten auch überlegt, ob wir mal nen Blog schreiben, wenn wir nun nach Zürich gehen. Wir sind schon mit unserem ganzen Krempel bei meinen Eltern und morgen gehts dann ins neue Zuhause. Ich freu mich schon riesig. Tobi auch. :)

    Freu mich auf Silvester!!!

    Liebe Grüße,
    Maike.

  3. 3 Jörn

    Stark. “Wenn Du bis dahin allerdings eine andere Wohnung findest, musst Du bei mir natürlich nicht mehr einziehen und ich überweise die Miete zurück”. Wie nett von ihm :)

  4. 4 Henning

    @ Maike

    Ich gebe mein Bestes ;)

    @ Jörn

    Der Typ war ein menschlicher Pappteller… ;-)

  5. 5 smallFire

    Und da sind sie wieder: Die Umlaute!
    Fehlt nur noch ein neuer Beitrag – hm?

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